Hyper-V richtig lizenzieren und welches BS dafür verwenden

Ich werde immer wieder gefragt, welche Server Version für einen Hyper-V Umgebung am besten geeignet ist. Was ist eigentlich der Hyper-V Server? Wie viele virtuelle Server habe ich beim Windows Server 2008 R2 Enterprise? Wie wird einen Hyper-V Umgebung richtig lizenziert? und so weiter. Somit versuche ich heute mal das ganz zu erläutern, und Klarheit zu schaffen.

Je nach Szenario sollte man die richtige Windows Server Version nehmen. Um es hier auch nicht zu kompliziert zu machen, beschränke ich mich auf die aktuellsten Server Versionen, also Windows Server 2008 R2 und Hyper-V Server.

Zuerst einmal beginne ich mit den Funktionen, die Lizenzierung der unterschiedlichen Versionen in Kombination mit Cluster kommt danach.

Funktionen

Verglichen wird hier der aktuelle Hyper-V Server der auf Windows Server 2008 R2 basiert, und die Server Versionen mit aktualisiertem SP1.

Funktionen Hyper-V Server Standard Enterprise Datacenter
logische Prozessor bis zu 64 Stück bis zu 64 Stück bis zu 64 Stück bis zu 64 Stück
max. Arbeitsspeicher bis zu 1TB bis zu 1TB bis zu 1TB bis zu 1TB
VMs pro Host bis zu 384 VMs* bis zu 384 VMs* bis zu 384 VMs* bis zu 384 VMs*
VMs pro Cluster bis zu 1000 VMs* kein Cluster möglich bis zu 1000 VMs* bis zu 1000 VMs*
Quick / Live Migration JA NEIN JA JA
Dynamic Memory JA JA JA JA
RemoteFX JA JA(nicht in Core)** JA(nicht in Core)** JA(nicht in Core)**
Failover-Cluster JA NEIN JA JA

*je nach vCPU Konfiguration auch weniger
** RemoteFX kann mangelnder DirectX Runtime nicht mit CORE-Hosts genutzt werden, Ausnahme Hyper-V-Server

Hyper-V-Server

Der Hyper-V-Server ist ein eigenständiges Produkt, welches jedoch auf einen Windows Server 2008 R2 Enterprise basiert. Der HVS kann nur in der Core Version installiert werden, und besitzt nur die für Hyper-V erforderlichen Rollen, als ein “beschnittener” Enterprise Server, jedoch kostenlos. Somit der leichteste Einstieg in die Virtualisierung. Gerade bestehenden Systemen die relativ aktuell sind, können damit schnell virtualisiert werden.

Lizenzierung

Jetzt das schwierige Thema, Lizenzierung.

Funktionen Hyper-V Server Standard Enterprise Datacenter
Preis* kostenlos ca. 1.100,- ca. 4.300,- ca. 3.100,-
Lizenzierung pro Server pro Server pro Server pro Prozessor
VM Instanzen keine 1 + 1 1 + 4 1 + N(unendlich)

*Referenzangaben

Ein Punkt, der hier immer wieder falsch umgesetzt wird, betrifft die VM Instanzen, nehmen wir als Beispiel die Enterprise Version.

Viele glauben hier, das Sie 1 physischen Server mit allen Funktionen und zusätzlich 4 virtuelle Server nutzen dürfen, leider ist das nicht ganz korrekt

Jetzt mal kurz der Originaltext von Microsoft zu diesem Punkt.

Mit jeder Softwarelizenz können Sie jeweils vier Instanzen der Serversoftware in vier Betriebssystemumgebungen auf einem Server ausführen. Wenn sich alle vier Instanz, die Sie ausführen, in virtuellen Betriebssystemumgebungen befinden, dürfen Sie eine Instanz auch in der physischen Betriebssystemumgebung ausführen, jedoch nur, um Hardware-Virtualisierungssoftware auszuführen, Hardware-Virtualisierungsdienste bereitzustellen oder Software für die Verwaltung und Wartung von Betriebssystemumgebungen auf dem lizenzierten Server auszuführen. In der Kurzform bezeichnen wir dies als 1+4.

Das heißt: Bei Windows Server 2008 R2 Enterprise habt ihr 1+4, somit dürft ihr einen physischen Host zur Verwaltung der virtuellen Umgebung einsetzten und 4 vollwertige virtuelle Maschinen(VM). Vollwertig bedeutet das diese VMs entweder zur Druckerverwaltung, als Fileserver,als Active Directory Server und, und, und, eingesetzt werden können. Die 1 physische Lizenz hingegen, darf nur zur Verwaltung der Hyper-V Umgebung genutzt werden, keine zusätzlichen Rollen wie zB: DNS-Server oder sonstiges.

Bei Windows Server 2008 R2 Standard habt ihr 1+1, also einen physischen Server zur Verwaltung der virtuellen Umgebung, und eine vollwertige virtuelle Maschine (VM).

Beim Windows Server 2008 R2 Datacenter gibt es einen wesentlichen Unterschied. Hier gilt die Limitierung für die physische Maschine nicht, hier könnt ihr zusätzliche Rollen wie DNS-Server oder sonstiges installieren. Zusätzlich habt ihr dadurch die Möglichkeit, “unendlich” viele VMs zu nutzen. Beim Datacenter ist noch zu beachten, das dieser pro physischer CPU lizenziert werden muss, und eine Minimum von 2 CPU Lizenzen vorausgesetzte ist, auch wenn der Server nur eine CPU besitzt.

Lizenzierung im Cluster

Bei der Lizenzierung in einer Clusterumgebung gibt es jedoch noch ein paar Spezialitäten. Nehmen wir als Beispiel den Windows Server 2008 R2 Enterprise, dieser bietet uns die Möglichkeit mit einer Lizenz, 4 VMs zu betreiben.

In unserem Beispiel haben wir einen Cluster bestehend aus 2 Hosts mit jeweils 4 VMs pro Host. Da wir ja einen Cluster betreiben, damit im Fehlerfall eines Hosts, alle VMs auf den zweiten verschoben werden können, kann es vorkommen, das auf einem Host, alle 8 VMs laufen.

Somit muss jeder Host mit 8 Lizenzen ausgestattet sein, also in unserem Beispiel müssen jedem Host, 2 Windows Server 2008 R2 Enterprise Lizenzen zugeordnet werden.

Also benötigen wir in unserem Beispiel mit einem Cluster, bestehend aus 2 Hosts zu je 4 VMs, insgesamt 4 x Windows Server 2008 R2 Enterprise oder 8 Windows Server 2008 R2 Standard oder Datacenter Lizenzen der Gesamtzahl der vorhandenen CPUs in meinem Cluster.

Ich hoffe ich hab das Thema Lizenzierung hier verständlich erklären können, und hoffe das ihr damit auch was anfangen könnt. Sollte sich ein fehlr eingeschlichen haben, dürft ihr euch gerne melden.

Da Microsoft dies Infos doch sehr gut versteckt, beziehe ich mich auf folgende Quellen:
http://www.server-talk.eu/2011/04/10/was-die-unterschiede-zwischen-hyper-v-und-hyper-v-server-sind/
http://www.hyper-v-server.de/pod_cast/microsoft-virtualisierungs-podcast-folge-5-lizenzierung/

Michael Seidl

6 comments to Hyper-V richtig lizenzieren und welches BS dafür verwenden

  • Sehr gute Darstellung

    Danke

  • Gucci

    Hallo!

    Ist es denn möglich, auf einem physikalischem 2008-STANDARD-Host mit Hyper-V-Rolle neben einer virtuellen Instanz des 2008er Servers noch weitere (hier 2003er-Server) virtuell zu installieren? Die Lizenzen für die 2003er Server sind natürlich vorhanden.

    Die Wunschkonfiguration wäre:

    – Windows 2008 Server R2 als Hyper-V HOST
    – Virtuelle Instanz: Windows Server 2008 R2
    – Virtuelle Instanz: Windows Server 2003 R2 Nr.1 (separate Lizenz vorhanden)
    – Virtuelle Instanz: Windows Server 2003 R2 Nr.2 (separate Lizenz vorhanden)

    Ich freue mich auf Eure Antworten!

    Gucci

  • Hallo,

    solange die Lizenzen vorhanden sind, können die VMs installiert werden, das ist kein Problem

    lg Michael

  • So, jetzt bin ich eigentlich noch mehr verwirrt.

    Ich habe mir bei Microsoft
    http://www.microsoft.com/de-de/download/details.aspx?id=3512
    den kostenlosen HyperV geladen.
    Installation hinter mir, Guest installiert alles prima.

    Wenn dieser kostenlos ist, wieso muss ich ihn aktivieren, und wie genau mache ich das? Ich habe alles mögliche probiert und erhalte bei Aktivierung immer Fehlermeldungen.

    slmgr.vbs -ato
    mittels -ipk und -ipk den key eines whs2011 probiert.

    Schalte ich mich auf den HyperV mittels Servermanager auf dann
    Produkt ID: nicht aktiviert.
    Telefonat mit MS Small Business Support „ne, der HyperV 2008R2 Download ist nicht für die Produktivumgebung.“

    Kann ich irgendwo eine Restlaufzeit sehen?
    Oder kann ich diese nicht vorhandene Aktivierung einfach ignorieren?
    Danke!

  • Hallo,
    wenn du die kostenlose HyperV Version nutzt, muss das Guest OS lizenziert, gekauft werden.

  • […] Windows Vista SP1, und dann habe ich mich in das Lizenzthema gestürzt und euch mal gezeigt wie eine Hyper-V Umgebung richtig lizenziert wird. Zum Thema Lizenzierung werde ich jetzt eine kleine Serie starten, um euch das Thema etwas […]

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